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ColearningVerein Gruppenfoto

Wie lernen Kinder und Erwachsene im Colearning-Lernzentrum?

Häufig wird uns die Frage gestellt: „Wie lernen die Kinder eigentlich im Colearning Lernzentrum?“

Die Antwort darauf fällt uns nicht schwer und dennoch spüre ich oft bei den Fragenden (meist sind es Eltern von Kindern) eine gewisse Unsicherheit. Denn die eigentliche Frage, die sie stellen ist: „Was tut ihr, damit die Kinder die Prüfung(en) schaffen?“

Ich möchte in diesem Beitrag einige Hintergründe des „Wie lernen wir?“ erörtern. Unsere pädagogische Basis sind unterschiedliche bekannte und weniger bekannte Methoden wie Montessori, Schaubildlernen oder Natürliches Lernen. Grundlegende Faktoren dieser Methoden sind die Begeisterung, das Lernen in der Gruppe sowie an konkreten Projekten. Über Lernen durch Begeisterung hat Gerald Hüther viele Bücher geschrieben und die Vorgänge im Hirn dazu auch in zahlreichen Vorträgen dargelegt. Ich möchte daher in diesem Beitrag nun mehr auf das Lernen in Gruppen sowie anhand von Projekten eingehen. Als Basis dafür dienen mir zwei 2015 erschienene Bücher: Team-Flow, Gemeinsam wachsen im kreativen Feld von Axel-Olaf Burow und Wie wir alle zu Lehrern werden und Lehrer zu Helden von Ken Robinson. Sowohl Burow als auch Robinson beschreiben darin die Kreativität (Robinsons Buch titelt im englischen Original Creative Schools) als einen entscheidenden Faktor, sich Wissen anzueignen. Kreativität wird hier keinesfalls als rein künstlerisch gesehen, vielmehr wird damit ein Feld beschrieben in dem Neues Enstehen kann. Jeder und jede kann Teil dieses Feldes sein. Die „Eintrittskarte“ dafür ist das Überwinden negativer bzw. der Aufbau positiver Glaubenssysteme (Burow). Hilfreich dafür sind laut Burow die magischen Drei. Zuerst einmal 3 am salutogenetischen Zugang zur Stressreduktion von Antonovsky orientierte Qualitäten für Herausforderungen:

  1. verstehbar
  2. persönlich bedeutsam
  3. handhabbar

Dazu kommen 3 Grundlagen aus der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan, die für gute Leistungen und optimale persönliche Entwicklung wichtig sind:

  1. Selbstbestimmung
  2. Kompetenzerleben
  3. Erfahrung von Sinn und Zugehörigkeit

Burow selbst ergänzt dann noch 3 weitere Faktoren, die berücksichtigt werden sollen:

  1. wertschätzender Umgang
  2. eine gemeinsame Vision
  3. ein gemeinschaftlich vereinbarter Umsetzungsplan

Diese 3×3-Faktoren  ergeben die magischen Drei. Durch sie wird ein Feld aufgebaut in dem kreative Teamarbeit möglich wird.

In diesem Feld ist alles möglich, auch von uns oft als negativ bewertete Eigenschaften wie Egoismus und Individualismus. Jeder und jede ist in diesem Feld ganz da. Wenn es eine gemeinsame Vision gibt und dazu ein Umsetzungsplan vereinbart wurde, der auch konkrete Ziele und Schritte zu deren Erfüllung enthält, dann können einzelne darin auch sehr selbstbestimmt im eigenen Tempo arbeiten. Wenn innerhalb der Gruppe ein wertschätzender Umgang besteht, dann kann jedeR Einzelne rückfragen, um die Sache auch für sich versteh- und handhabbar zu machen. Diese Fragen können wiederum zum Nachdenken anregen oder, durch die Beantwortung, einem selbst die Möglichkeit geben zu überprüfen, ob man alles verstanden hat.

Burow beschreibt das in Team-Flow so: „Der Synergieprozess zwischen zwei oder mehr Personen basiert nicht auf unbedingter Harmonie. Ganz im Gegenteil können konstruktive Formen der kreativen Konkurrenz dazu beitragen, dass man sich wechselseitig zu Bestleistungen anspornt. Durch die kreative Konkurrenz entsteht im Synergiefeld die notwendige Spannung, die es dem Einzelnen erst ermöglicht, sein unerschlossenes kreatives Potenzial zu bergen.

Unser Ego lässt uns immer wieder vor unseren größten Wachstumspotentialen stoppen. Ein solcher Stop ist bspw. Unwohlsein. Man will in solchen Situationen wieder Harmonie herstellen. Dabei übersieht man das kreative Potential, das in dieser Disharmonie besteht. Wenn wir ein Feld geschaffen habe in dem eine Sache persönlich bedeutsam ist und ein wertschätzender Umgang herrscht, dann kann einen gerade so eine Situation fordern, noch genauer zu sein, andere Meinungen reflektiert zu betrachten und sie zu seinem Eigenen hinzuzufügen. Mit dieser Ergänzung kann man wieder voll seins draus machen.

Die Aufgabe der Lernbegleiter und Lernbegleiterinnen, sowie aller involvierten Personen im Colearning-Lernzentrum, ist es, ein geeignetes Umfeld für Lernen zu schaffen. Robinson beschreibt in seinem Buch vier wichtige Rollen, die Lehrer zu erfüllen haben: engagieren, ermöglichen, erwarten und ermächtigen.

Engagieren

Eine Lehrperson sollte Bedingungen schaffen in denen sich die Lernenden selbst für das Thema faszinieren und engagieren. Ich selbst hatte im Gymnasium einen Geographielehrer, der seine Freizeit damit verbrachte, andere Länder und Kulturen zu entdecken. Er zeigte seine Entdeckungen in multimedialen Diashows. Seine Bilder waren wunderbar und die Erzählungen seiner Entdeckungen großartig. Am meisten faszinierte mich aber die Tatsache, dass er neben seiner Lehrertätigkeit etwas tat, von dem er uns dann mit all seiner eigenen Begeitserung erzählte.

Ermöglichen

Die Aufgabe einer „Lehrperson“ ist es, einen geeigneten Raum zu schaffen in dem Lernen möglich ist. Das klingt einfacher als es ist. Kinder sind von Natur aus lernbegierig. Sie wollen wissen, wie die Dinge funktionieren. In unserem heutigen Bildungssystem wird bei unzähligen Prüfungen gefordert Fragen zu beantworten, die „Experten“ stellen, häufig Fragen, die man sich selbst nicht stellt. Für die Prüfung bereitet man sich also auf das ein, was jemand anderer wissen will. Natürliches Lernenim Gegensatz dazu bedeutet, einen Raum zu schaffen, in dem es den Kindern möglich ist, Ihre eigenen Antworten auf viele ihrer eigenen Fragen selbst zu erarbeiten.

Erwarten

Lehren und lernen basieren auf einer Beziehung, einer Beziehung zueinander aber auch zu sich selbst. Wenn ich zu jemandem eine Beziehung habe, dann verbinde ich das auch mit positiven Erwartungen. Ich sehe das, was dieser Mensch kann, nicht das, was er nicht kann. Daraus erwächst ein Ansporn, sich zu verbessern.

Ermächtigen

Ein guter Lehrer, eine gute Lehrerin ist auch ein Mentor/eine Mentorin, ein Vorbild. Sie schaffen eine Kultur, die die Lernenden ermächtigt Problemen und Unsicherheiten ruhig, positiv und kreativ entgegegnzusehen (Robinson).

Diese 4 Rollen zeigen, dass es dafür verschiedene Menschen braucht. Es ist kaum zu glauben, dass diese für jedes Thema eines Faches (z.B. Mathematik) durch eine einzige Person abgedeckt werden. Dazu helfen die Projekte.

Lernen anhand von Projekten

Projekte sind ein zentraler Bestandteil des Colearning Lernzentrums. Kinder lernen in unserem Lernzentrum direkt anhand von umsetzbaren Projekten. Diese reichen vom Kochen über Bauprojekte bis zu zukunftsfähigem unternehmerischem Handeln beispielsweise in der Lebensmittelkooperative. Mit dem angeschlossenen Coworking Space, den Werkstätten und Ateliers, sind die Projekte selbst auch schon vorort. Arbeiten von Erwachsenen sowie gegenseitiges Lehren und Lernen wachsen natürlich zusammen. Erwachsene profitieren von der „kindlichen Energie“ in ihren Projekte und Kinder erfahren, womit sich Erwachsene in ihrem Beruf beschäftigen. Durch eine (Mehr)Jahresplanung können durch diese Projekte alle Fächer abgedeckt werden. Sie werden nicht isoliert unterrichtet, sondern vielfältig verknüpft in die Projekte integriert. Beim Tun werden Kinder angeregt ihr Wissen in den Lernzeiten zu vertiefen und offene Fragen in der Gruppe zu besprechen. Es geht darum ein Fach zu entdecken, nicht den Inhalt abzudecken (Robinson).

Kreatives Feld

Wie können wir nun dieses kreative Feld aufbauen? Burow beschreibt in Team-Flow einige Schlüsselkonzepte:

  • Dialog
  • Vision
  • Vielfalt
  • Personenzentrierung
  • Synergieprozess
  • Partizipation
  • Nachhaltigkeit

Diese Schlüsselkonzepte greifen die zu Beginn erwähnten Magischen Drei erneut auf. Viele dieser Konzepte erscheinen uns bekannt. Dialog als Kommunikationsform auf Basis von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt, eine gemeinsame Vision, die die Gruppe antreibt, Vielfalt und Nachhaltigkeit als Teil der Beständigkeit und Partizipation, sodass jeder am Prozess teilnehmen kann und aktiv involviert ist und somit getroffene Entscheidungen mitgetragen werden.  Besonders spannend und neu sind für mich die Personenzentrierung und der Synergieprozess. Wenn von Gruppen- oder kollektiver Kreativität gesprochen wird schwingt oft die Auflösung des Individuums mit. Nicht nur, dass diese Auflösung schon anatomisch gar nicht möglich ist, ist sie laut Burow sogar kontraproduktiv. Er zeigt in seinem Buch Team-Flow am Beispiel der Comedian Harmonists anschaulich, wie Menschen mit einem unverwechselbaren persönlichen Profil zu Kristallisationskernen im Feld werden können. Zum Ego gehören immer auch Schwächen. Diese können zu Anziehungspunkten für mögliche Synergiepartner werden. Wenn nun zwei oder mehr Personen zusammenarbeiten, die sich in kreativer Konkurrenz gegenseitig herausfordern, kann jeder der Beteiligten über sich hinauswachsen (Burow). es ensteht ein Synergieprozess, der im Ergebnis mehr als die Summe der Einzelteile ergibt. Burow geht sogar soweit zu behaupten, das die genialsten Erfindungen immer in kreativen Teams passiert sind. dazu zitiert er Steve Jobs mit dem Satz „Great things are never done by single persons. They are done by a team.

Ok … genug der Worte. Wir sind gefordert, dieses Feld mit den Kindern und Eltern, Anwendern und Experten aufzubauen. Zum Abschluss noch ein Zitat von Peter Senge in seinem Interview mit Otto Scharner zu seiner Theorie von Systemdenken und Systemerforschung (sinngenmäß): „Es gibt so viele Beispiele, wo eine Gruppe von Menschen plötzlich zu einem entscheidenden Punkt kommt: dann, wenn die ganze Gruppe das Ganze als Ganzes erkennt!„(https://www.youtube.com/watch?t=805&v=sMFpqW4n6eI)

Links:

(Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung des Autors zum Thema Lernen im Colearning-Lernzentrum wieder. Andere mögen anderer Meinung sein. Auch wir versuchen Vielfalt und Personenzentrierung zu leben 🙂 )

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